60. Jahre Staatsvertrag !

Fundament von Frieden, Freiheit und Sicherheit !

Unterzeichnung des Staatsvertrag am 15. Mai 1955 im Belvedere. Bild zeigt: vlnr: Llewellyn THOMPSON, John Foster DULLES (beide USA), Antoine PINAY (Frankreich), Aussenminister Leopold FIGL, Adolf SCHÄRF, Wjatscheslaw MOLOTOW (Udssr), Julius RAAB und Iwan ILJITSCHOW (Udssr) am Balkon des Belvedere mit dem unterzeichneten Staatsvertrag. schaerf Oesterreich oesterreichAn­läss­lich des sech­zig­sten Jah­res­ta­ges der Un­ter­zeich­nung des öster­rei­chi­schen Staats­ver­tra­ges am 15. Mai 1955, fin­den zahl­rei­che Fei­ern und Fest­ak­te statt. Vie­les von dem was sich dar­aus an Wohl­stand und Rech­ten ent­wickelt hat ist heu­te selbst­ver­ständ­lich. Wie be­deu­tend die­ses Er­eig­nis und die­ser Ver­trag ist, ist uns heu­te nicht mehr be­wußt. Das er Grund­la­ge für alle po­si­ti­ven Ent­wick­lung un­se­rer Hei­mat, bis hin zum Wohl­stand sei­ner Bür­ger ist, wird kaum noch be­dacht.   Vi­ze­prä­si­dent a.D. Dr. Pe­ter Kon­ec­ny hat sich da­her mit die­sem Er­eig­nis in­ten­siv be­schäf­tigt. Er hat dazu eine Denk­schrift (Ge­schich­te des österr. Staats­ver­tra­ges und der Neu­tra­li­tät) ver­fasst die er dem OÖKB- Lan­des­ver­band dan­kens­wer­ter Wei­se zur Ver­öf­fent­li­chung hier  zur Ver­fü­gung ge­stellt hat. 

Co­py­rights by

DR. PETER KONECNY
OÖKB – Vizepräsident a.D.

Am 15. Mai feiern wir 60 Jahre Abschluß des
STAATSVERTRAGES

Wir be­ge­hen am 26. Ok­to­ber 2015 wie­der ein­mal den Öster­rei­chi­schen Nationalfeiertag.
Nach 1955 be­stand Un­si­cher­heit, wie und ob man den 26. Ok­to­ber über­haupt fest­lich be­ge­hen soll.  Es gab vor­erst den Tag der Fah­ne, dann wur­de das Ge­setz über den Na­tio­nal­fei­er­tag be­schlos­sen. Erst Jah­re spä­ter wur­de die­ser Tag durch ein wei­te­res Ge­setz auch ar­beits­frei ge­stellt. Seit die­sem Zeit­punkt ver­wen­det der über­wie­gen­de Teil der Öster­rei­cher die­sen Tag für Ein­kaufs­fahr­ten nach Bay­ern oder nach Tsche­chi­en oder ver­bringt die­sen Tag, so­fer­ne er gün­stig fällt, zu Törg­ge­len­fahr­ten nach Süd­ti­rol. Die in Öster­reich Ver­blei­ben­den neh­men even­tu­ell an ei­nem Wan­der­tag teil.

Es be­gann 1943

Fast nie­mand weiß aber noch, wie es zu die­sem 26. Ok­to­ber 1955 kam. Es sei mir da­her ge­stat­tet, die Ge­schich­te des Staats­ver­tra­ges und da­mit ver­bun­den die Ge­schich­te der öster­rei­chi­schen Neu­tra­li­tät und des Neu­tra­li­täts­ge­set­zes kurz in Er­in­ne­rung zu rufen :

Am Be­ginn steht die MOSKAUER ERKLÄRUNG vom 1. No­vem­ber 1943. Das Ende des 2. Welt­krie­ges zeich­ne­te sich ab und so wur­de im An­hang 6 der Kon­fe­renz von MOSKAU fest­ge­hal­ten, daß ÖSTERREICH als das er­ste freie Land, das der An­griffs­po­li­tik · HITLERS zum Op­fer fiel, be­freit wer­den sollte.

Ori­gi­nal­zi­tat : „Öster­reich wird aber auch dar­an er­in­nert, daß es für die Teil­nah­me am Krie­ge an der Sei­te Hit­ler-Deutsch­lands eine Ver­ant­wor­tung trägt, der es nicht ent­rin­nen kann, und daß an­läß­lich der end­gül­ti­gen Ab­rech­nung Be­dacht­nah­me dar­auf, wie­viel es selbst zu sei­ner Be­frei­ung bei­getra­gen ha­ben wird, un­ver­meid­lich sein wird.“

DIE BEFREIUNG UND BESETZUNG

Im Mai 1945 wur­de ÖSTERREICH wohl be­freit, je­doch von den Sie­ger­mäch­ten vier­fach be­setzt. Ins­be­son­de­re wir MÜHLVIERTLER ken­nen aus Er­zäh­lun­gen oder ei­ge­nem Er­le­ben die schwe­re Last der rus­si­schen Be­sat­zung. Wie es ÖSTERREICH und den ÖSTERREICHERN er­ging, kön­nen die Wor­te aus der Weih­nachts­an­spra­che 1945 des Bun­des­kanz­lers FIGL am be­sten ver­deut­li­chen : “Ich kann euch zu Weih­nach­ten nichts ge­ben. Ich kann euch für den Christ­baum, wenn ihr über­haupt ei­nen habt, kei­ne Ker­zen ge­ben, kein Stück Brot, kei­ne Koh­le zum Hei­zen, kein Glas zum Ein­schnei­den. Wir ha­ben nichts. Ich kann euch nur bit­ten, glaubt an die­ses Öster­reich.“

1946 be­gan­nen die Ver­hand­lun­gen über den öster­rei­chi­schen Staats­ver­trag, von dem Op­ti­mi­sten mein­ten, er wür­de in ei­ni­gen Mo­na­ten ab­ge­schlos­sen wer­den kön­nen. Je­doch dau­er­te es, wie be­kannt, fast zehn Jah­re, bis ÖSTERREICH end­gül­tig frei wur­de. Da ÖSTERREICH als Staat von 1938–1945 nicht be­stand, konn­te kein Frie­dens­ver­trag, son­dern nur ein Ver­trag ei­ge­ner Art, eben der Staats­ver­trag, ab­ge­schlos­sen werden.

HINDERNISSE AUF DEM WEG ZUM STAATSVERTRAG

Hin­der­nis­se auf dem Weg zum Staats­ver­trag wa­ren insbesonders :

• die SÜD­TI­ROL-Fra­ge, die mit dem so­ge­nann­ten „GRU­BER-DE­GAS­PE­RI-Ab­kom­men“ am 15.9.1946 ge­löst wurde
• völ­lig über­ra­schen­de ju­go­sla­wi­sche Ge­biets­for­de­run­gen, sowie
• die Fra­ge des deut­schen Eigentums.

JUGOSLAWISCHE GEBIETSANSPRÜCHE

Auf der Lon­do­ner Kon­fe­renz 1947 wur­de die öster­rei­chi­sche De­le­ga­ti­on mit ju­go­sla­wi­schen Ge­biets­for­de­run­gen kon­fron­tiert, die im Sü­den von KÄRNTEN ein Ge­biet von 2.4 70 km² und in der STEIERMARK rund 130 km² um­faß­ten. Durch die­se For­de­run­gen soll­te die Kärnt­ner Volks­ab­stim­mung des Jah­res 1920 au­ßer Kraft ge­setzt wer­den. Die SOWJETUNION hat vor­erst JUGOSLAWIEN mas­siv un­ter­stützt, le­dig­lich die Ent­frem­dung TITO’s und STALIN’s brach­te es mit sich, daß das öster­rei­chi­sche Staats­ge­biet un­an­ge­ta­stet blieb.

DEUTSCHES EIGENTUM

In der Fra­ge des deut­schen Ei­gen­tums war ÖSTERREICH trotz den bei­den Ver­staat­li­chungs­ge­set­zen nicht er­folg­reich. Sei­tens der SOWJETUNION wur­den in dem von ihr be­setz­ten Teil ÖSTERREICHS prak­tisch die ge­sam­te Schwer­indu­strie und Öl­in­du­strie in rus­si­sche Ver­wal­tung ge­nom­men und muß­te im Staats­ver­trag das deut­sche Ei­gen­tum durch Na­tu­ral­lie­fe­run­gen ab­ge­löst werden.

DER EISERNE VORHANG

Im No­vem­ber 1949 schien der Durch­bruch ge­schafft, da ver­band die SOWJETUNION den öster­rei­chi­schen Staats­ver­trag mit der DEUTSCH­LAND-Fra­ge. Es hat­ten nach der kom­mu­ni­sti­schen Macht­über­nah­me in UNGARN und der TSCHECHOSLOWAKEI 1948 auch in WESTEUROPA we­sent­li­che Än­de­run­gen statt­ge­fun­den. Die west­li­chen Be­sat­zungs­zo­nen in DEUTSCHLAND wur­den als Bun­des­re­pu­blik DEUTSCHLAND mehr oder we­ni­ger selb­stän­dig, wäh­rend die Ost­zo­ne un­ter so­wje­ti­scher Ober­herr­schaft blieb, der„Eiserne Vor­hang“ ras­sel­te in EUROPA herab.

DEUTSCHLAND wur­de wirt­schaft­lich und auch po­li­tisch in den We­sten in­te­griert. Die­se In­te­gra­ti­on, die 1954 auch zur Auf­nah­me DEUTSCHLANDS in die NATO führ­te, wur­de von der SOWJETUNION dazu ver­wen­det, ÖSTERREICH den Staats­ver­trag „bis zur Lö­sung der deut­schen Fra­ge“ zu verwehren.

Statt war­ten auf den Frie­dens­ver­trag mit Deutsch­land, ein ei­ge­ner Staats­ver­trag mit Österreich !

In ÖSTERREICH fand der Re­gie­rungs­wech­sel FIGL-RAAB statt und schlug der Letz­te­re eine ge­mä­ßig­te Po­li­tik ge­gen­über der So­wjet­uni­on ein. Sei­ne Wor­te „Es nützt nichts, wenn man den rus­si­schen Bä­ren, der mit­ten im öster­rei­chi­schen Gar­ten drin­nen­steht, im­mer wie­der durch laut tö­nen­de Sonn­tags­re­den in den Schwanz­stum­mel zwickt“, zei­gen die Än­de­rung der öster­rei­chi­schen Hal­tung am be­sten. Die öster­rei­chi­sche Po­li­tik er­kann­te, daß der öster­rei­chi­sche Staats­ver­trag von der deut­schen Fra­ge ge­trennt wer­den müs­se. Öster­reich ver­such­te da­her, mit Bünd­nis­frei­heit und Neu­tra­li­tät den Staats­ver­trag zu er­rei­chen. Da Öster­reich be­setzt und wäh­rend des Krie­ges Teil des Deut­schen Rei­ches war, war es kein sou­ve­rä­ner Staat bei Kriegs­en­de. Da die Ei­gen­staat­lich­keit  aber Vor­aus­set­zung für ei­nen Frie­dens­ver­trag ist brauch­te es eine an­de­re Lö­sung. Den Staats­ver­trag – zur An­er­ken­nung sei­nes völ­ker­recht­li­chen Sta­tus und zur un­ter Klä­rung sei­ner Ver­pflich­tun­gen aus dem Krieg.

DIE NEUTRALITÄT

Der völ­ker­recht­li­che Be­griff der Neu­tra­li­tät be­trifft im we­sent­li­chen die Hal­tung ei­nes Staa­tes, sich an ei­nem be­stimm­ten Krieg zwi­schen an­de­ren Staa­ten nicht zu be­tei­li­gen. Als Mu­ster für eine öster­rei­chi­sche Neu­tra­li­tät bot sich die Schweiz an und wur­de die Neu­tra­li­tät als eine mög­li­che Vor­aus­set­zung für den Staats­ver­trag ins­be­son­de­re ver­tre­ten vom sei­ner­zei­ti­gen Bun­des­prä­si­den­ten Theo­dor KÖRNER und Prof. Hein­rich RAAB, dem Bru­der des Bundeskanzlers.

Die öster­rei­chi­sche In­nen­po­li­tik konn­te sich vor­erst da­mit nicht an­freun­den, al­ler­dings wur­de der sei­ner­zei­ti­ge in­di­sche Mi­ni­ster­prä­si­dent NEHRU, ein pro­mi­nen­ter Ver­tre­ter der block­frei­en Staa­ten, er­sucht, in MOSKAU vor­zu­füh­len. Auch der fin­ni­sche Staats­prä­si­dent KEKKONEN wur­de kon­tak­tiert. Bei der Ber­li­ner Au­ßen­mi­ni­ster­kon­fe­renz im Jän­ner 1954 wur­de von öster­rei­chi­scher Sei­te of­fi­zi­ell die Neu­tra­li­tät in die Dis­kus­si­on ein­ge­bracht. Al­ler­dings wur­de im­mer be­tont, daß ÖSTERREICH eine Neu­tra­li­tät nur aus frei­en Stücken ein­ge­hen kön­ne. Eine von au­ßen dik­tier­te Neu­tra­li­sie­rung ÖSTERREICHS wur­de abgelehnt.

Der Ab­schluß des Staats­ver­tra­ges bei der BERLINER KONFERENZ schei­ter­te dar­an, daß ÖSTERREICH sich nicht be­reit­erklä­ren konn­te, die Be­sat­zungs­trup­pen so­lan­ge in ÖSTERREICH zu be­las­sen, bis ein Frie­dens­ver­trag mit DEUTSCHLAND ab­ge­schlos­sen sein würde.

VOR DER ESKALATION DES KALTEN KRIEGES

Das Jahr 1954 war in EUROPA von ei­ner wei­te­ren Ver­schär­fung des Ge­gen­sat­zes zwi­schen dem WESTEN und der SOWJETUNION ge­kenn­zeich­net, ins­be­son­de­re ab dem Zeit­punkt, als die BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND am 25.10.1954 der NATO bei­trat. Die­ser NATO-Bei­tritt DEUTSCH­LANDs war es aber, der die SOWJETUNION zu ei­ner Än­de­rung ih­rer Hal­tung in der öster­rei­chi­schen Fra­ge ver­an­laß­te. Die SOJWETUNION lö­ste das öster­rei­chi­sche Pro­blem vom deut­schen Frie­dens­ver­trag und zwar auch aus der stra­te­gi­schen Über­le­gung, daß die neu­tra­le SCHWEIZ und ein zu­min­dest bünd­nis­frei­es ÖSTERREICH ei­nen ter­ri­to­ria­len Rie­gel zwi­schen den NATO-Staa­ten im Nor­den und den NATO-Staa­ten im Sü­den EUROPAS bilden.

Das Jahr 1955 soll­te den end­gül­ti­gen Durch­bruch brin­gen. Am 8. Fe­bru­ar 1955 hielt der so­wje­ti­sche Au­ßen­mi­ni­ster MOLOTOW eine au­ßen­po­li­ti­sche Grund­satz­re­de, in der u.a. die Ver­zö­ge­rung des öster­rei­chi­schen Staats­ver­tra­ges für un­ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wur­de. Der Ab­zug der Be­sat­zungs­trup­pen aus ÖSTERREICH kön­ne auch zu ei­nem Zeit­punkt er­fol­gen, der vor dem Frie­dens­ver­trag mit DEUTSCHLAND läge. ÖSTERREICH müß­te sich aber ver­pflich­ten, kei­ner­lei Mi­li­tär­bünd­nis­se ein­zu­ge­hen. Die öster­rei­chi­sche Re­gie­rung wer­de dies­be­züg­lich zu Ver­hand­lun­gen eingeladen.

Nach Rück­spra­che mit den West­al­li­ier­ten USA, GROSSBRITANNIEN und FRANKREICH nahm ÖSTERREICH Füh­lung mit der SOWJETUNION auf. ÖSTERREICH er­hielt Ende März eine Ein­la­dung zu Ge­sprä­chen in MOSKAU und wur­de be­schlos­sen, eine Re­gie­rungs­de­le­ga­ti­on zu ent­sen­den. Die­se be­stand aus Bun­des­kanz­ler RAAB, Vi­ze­kanz­ler SCHÄRF, Au­ßen­mi­ni­ster FIGL und Staats­se­kre­tär KREISKY. In schwie­ri­gen Ver­hand­lun­gen zwi­schen dem 11. und 14.4.1955 wur­den die noch feh­len­den Be­stim­mun­gen des Staats­ver­tra­ges aus­ge­han­delt und da­bei u.a. eine be­deu­ten­de Ver­rin­ge­rung der Re­pa­ra­ti­ons­zah­lun­gen an die SOWJETUNION erzielt.

NEUTRALER RIEGEL ZWISCHEN NORDEN UND SÜDEN

Hin­sicht­lich der öster­rei­chi­schen Neu­tra­li­tät konn­te die Re­gie­rungs­de­le­ga­ti­on kei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung schlie­ßen, da das ge­setz­ge­ben­de Or­gan in ÖSTERREICH das Par­la­ment ist. Die Mos­kau­er De­kla­ra­ti­on ent­hält da­her nur eine so­ge­nann­te Ver­wen­dungs­zu­sa­ge. Die für die Neu­tra­li­tät wich­ti­gen Punk­te der Mos­kau­er De­kla­ra­ti­on lauten :
„1. Im Sin­ne der von Öster­reich be­reits auf der Kon­fe­renz von Ber­lin im Jah­re 1954 ab­ge­ge­be­nen Er­klä­rung, kei­nen mi­li­tä­ri­schen Bünd­nis­sen bei­zu­tre­ten und mi­li­tä­ri­sche Stütz­punk­te auf sei­nem Ge­biet nicht zu­zu­las­sen, wird die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung eine De­kla­ra­ti­on in ei­ner Form ab­ge­ben, die Öster­reich in­ter­na­tio­nal ver­pflich­tet, im­mer­wäh­rend eine Neu­tra­li­tät der Art zu üben, wie sie von der Schweiz ge­hand­habt wird.

2. Die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung wird die­se öster­rei­chi­sche De­kla­ra­ti­on ge­mäß den Be­stim­mun­gen der Bun­des­ver­fas­sung dem öster­rei­chi­schen Par­la­ment un­mit­tel­bar nach Ra­ti­fi­ka­ti­on des Staats­ver­tra­ges zur Be­schluß­fas­sung vorlegen. “

Nach Rück­kehr der De­le­ga­ti­on nach Öster­reich wur­den mit den West­al­li­ier­ten die ab­schlie­ßen­den Ver­hand­lun­gen ge­führt und in der Bot­schaf­ter­kon­fe­renz vom 2. bis 13. Mai 1955 in Wien die End­fas­sung des Staats­ver­tra­ges er­ar­bei­tet. Am 14. Mai 1955 ge­lang es Au­ßen­mi­ni­ster FIGL noch, die Mit­schuld­er­klä­rung Öster­reichs am 2. Welt­krieg aus der Prä­am­bel des Ver­tra­ges her­aus zu verhandeln.

DIE GUNST DER STUNDE – IM LETZTEN MOMENT !

Am sel­ben Tag wur­de auch der WARSCHAUER PAKT, das Ge­gen­ge­wicht des Ost­blocks zur NATO, ge­grün­det. Da­her sei noch­mals an das In­ter­es­se der UDSSR  am neu­tra­len Quer­rie­gel durch Eu­ro­pa aus Öster­reich und Schweiz er­in­nert. Mit dem we­nig spä­ter aus­ge­bro­che­ne Auf­stand in Un­garn und der sich ver­schär­fen­de „Kal­te Krieg“ hat sich das Zeit­fen­ster ge­schlos­sen in dem der Ab­schluss ei­nes sol­cheb Ver­tra­ges mit al­len Be­tei­lig­ten mög­lich ge­we­sen wäre.

Am 15. Mai 1955 wur­de der Staats­ver­trag un­ter­fer­tigt und ver­kün­de­te un­ter dem Ju­bel der Be­völ­ke­rung Au­ßen­mi­ni­ster FIGL 

„Öster­reich ist frei ! “

Par­al­lel dazu lie­fen die Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Par­tei­en für das Neu­tra­li­täts­ge­setz, wo­bei aber Ei­nig­keit dar­über be­stand, daß erst nach Ab­zug des letz­ten aus­län­di­schen Sol­da­ten die­ses Ge­setz im Na­tio­nal­rat be­schlos­sen wer­den soll­te. Am 25. Ok­to­ber 1955 . ver­ließ der letz­te Be­sat­zungs­sol­dat Öster­reich und wur­de am 26.10.1955 in ei­ner Fest­sit­zung des Na­tio­nal­ra­tes das Neu­tra­li­täts­ge­setz beschlossen.

ÖSTERREICH er­klär­te da­her als voll­kom­men sou­ve­rä­ner Staat sei­ne im­mer­wäh­ren­de Neu­tra­li­tät. Die Wor­te des Bun­des­kanz­lers RAAB, die die­ser bei die­sem Fest­akt ge­spro­chen hat, sol­len uns im­mer in Er­in­ne­rung blei­ben : „Durch den Ge­setz­ge­bungs­akt wer­den in kei­ner Wei­se die Grund- und Frei­heits­rech­te der Staats­bür­ger be­schränkt. Die Neu­tra­li­tät ver­pflich­tet den Staat, nicht aber den ein­zel­nen Staats­bür­ger. Die gei­sti­ge und po­li­ti­sche Frei­heit des ein­zel­nen, ins­be­son­de­re die Frei­heit der Pres­se und der Mei­nungs­äu­ße­rung, wird durch die dau­ern­de Neu­tra­li­tät des Staa­tes nicht be­rührt. Da­mit ist auch kei­ne Ver­pflich­tung zur ideo­lo­gi­schen Neu­tra­li­tät be­grün­det. Ich will wei­ters her­vor­he­ben, daß die mi­li­tä­ri­sche Neu­tra­li­tät, die Sie, mei­ne Da­men und Her­ren, heu­te be­schlie­ßen wer­den, kei­ner­lei Ver­pflich­tun­gen und Bin­dun­gen auf wirt­schaft­li­chem und kul­tu­rel­lem Ge­biet be­inhal­ten wird“.
Das Jahr 1955 en­de­te mit der fei­er­li­chen Auf­nah­me Öster­reichs als Mit­glied bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen am 14. De­zem­ber 1955.

So fand das an­nus mi­ra­bi­lis der 2. Re­pu­blik sein glück­li­ches Ende.

Es war der Aus­gangs­punkt für die wei­te­re in­ter­na­tio­na­le Ent­wick­lung ei­nes frei­en und neu­tra­len Klein­staa­tes, der sich, von der schwe­ren Last der Be­sat­zer be­freit, an­schick­te, sei­ne ei­gen­stän­di­ge Stel­lung in EUROPA und in der Welt aufzubauen.

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