1955 — Gründung des Bundesheers

Wehrgesetz 1955 begründete das Bundesheer der Zeiten Republik

7. September 1955 demokratische Grundlagen beschlossen

WG 1955 klDie Repub­lik war 1955 in Vor­bere­itung des Abzuges der Besatzungsmächte und dem Abschluss des Staatsver­trages gefordert, selb­st für ihre innere und äußere Sicher­heit zu sor­gen. Dabei hat­te das Par­la­ment die Vorstel­lun­gen der Besatzungsmächte, die Erfahrun­gen der Kriegs­gen­er­a­tion, sowie die tat­säch­lichen  wirtschaftlichen Möglichkeit­en zu berücksichtigen.

Vor 65. Jahren, am 21. Sep­tem­ber 1955, wurde das Bun­des­ge­set­zblatt mit dem ersten Wehrge­setz der zweit­en Repub­lik, das am 7. Sep­tem­ber vom öster­re­ichis­chen Par­la­ment beschlossen wor­den war, veröf­fentlicht. Es war die Grund­lage zur Auf­stel­lung des Bun­desheers. In Ergänzung mit der damals einge­führten  all­ge­meine Wehrpflicht wurde auch die Dauer des Grundwehr­di­en­stes von zunächst neun Monat­en beschlossen.


Auftrag des neuen Bundesheers

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Erster Fes­takt mit Bun­de­spräsi­dent Dr Körn­er. (Foto: ÖBH)
Die Ver­fas­sung und das neue Wehrge­setz erteil­ten dem Bun­desheer den Auf­trag zur mil­itärischen Lan­desvertei­di­gung, dem Schutz der ver­fas­sungsmäßi­gen Ein­rich­tun­gen und der Aufrechter­hal­tung von Ord­nung und Sicher­heit im Inneren, soweit die geset­zmäßige zivile Gewalt seine Mitwirkung in Anspruch nimmt, sowie die Hil­feleis­tung bei Ele­mentar­ereignis­sen und Katas­tro­phen. 1965 wer­den diese Auf­gaben um die Ein­sätze im Aus­land auf Ersuchen inter­na­tionaler Organ­i­sa­tio­nen hinzugefügt.

1.5 Millionen Wehrpflichtige seit 1956

GWD 2 1956
Die ersten Rekruten

Am 15. Okto­ber 1956 rück­ten die ersten 12.800 Wehrpflichti­gen ein. Rund 1.5 Mio. Staats­bürg­er haben sei­ther ihren Wehr­di­enst geleis­tet. 35.000 sind derzeit im aktiv­en bzw. Präsen­z­s­tand. Davon sind 25.000 Beruf­s­sol­dat­en und 10.000 Grundwehr­di­ener. Bei akuten Not- oder Bedro­hungs­fällen kann das Heer derzeit 33.000 Miliz­sol­dat­en rasch ein­berufen. Im soge­nan­nten Ern­st­fall kön­nten bei ein­er Mobil­machung derzeit the­o­retisch 945.000 Sol­dat­en des Reser­ve­s­tands zum Bun­desheer ein­berufen werden.

1956 ungarn
Okto­ber 1956 erste Bewährung­sprobe des neuen Bun­desheers bei der Ungarnkrise

Bundesheer als Schule der Republik

Schon Bun­deskan­zler Julius Raab erkan­nte auch die päd­a­gogis­che Funk­tion des Bun­desheers. Er beze­ich­net es als „erzieherisches Werkzeug für die Jugend“. Junge Men­schen aus allen Sozialen- und Gesellschaftss­chicht­en sowie allen Bun­deslän­dern leben beim Wehr­di­enst unter ein­fach­sten Bedin­gun­gen für Monate zusam­men. Das ist nur mit Tol­er­anz und Ver­ständ­nis für Eigen­heit­en der Kam­er­aden möglich. So lernt jed­er auch die Leben­sum­stände des jew­eils anderen in und außer­halb der Kaserne kennen.

Kameradschaft und Toleranz

Die zu beste­hen­den kör­per­lichen und psy­chis­chen Her­aus­forderun­gen förderten die gelebte Kam­er­ad­schaft. Das trägt zum „Wir ‑Gefühl“ das auch Grund­lage für einen gesun­den Patri­o­tismus ist, viel bei.  Auf solche Art zusam­men geschmiedet ent­standen zahllose lebenslange Fre­und­schaften unter den Rekruten.

Erfahrung und bewährte Konzepte

Das Konzept ein­er Armee gestützt auf Wehrpflichtige hat sich trotz unzäh­liger Refor­men und sich ständig ändern­den Vertei­di­gungskonzepte bewährt. Es hat in zahllosen Katas­tro­phen­fällen und bei Gefahren an Gren­zen und im Lande wirkungsvoll die Erwartun­gen sein­er Grün­der mehr als erfüllt. Die Wertschätzung für dieses Bun­desheer aus dem Volk, find­et die Wertschätzung der Bürg­er und Bürg­erin­nen. Ein beson­der­er Aus­druck des Ver­trauens ins Bun­desheer sind die vie­len zivilen Unter­stützer. So auch durch die vie­len Mit­glieder der wehrrel­e­van­ten Vere­ine wie etwa den Kam­er­ad­schafts­bund oder auch der Traditionsverbände.

Ein Bundesheer aus dem Volk — für das Volk!

GWD 1956 Staatsver­trag, Neu­tral­itäts­ge­setz und das Wehrge­setz von 1955 bilden die bre­ite demokratis­che Basis auf der die Zweit­en Repub­lik ihre Sicher­heitsstruk­tur auf­baute. Diese ist in einem Bun­desheer aus „Staats­bürg­ern in Uni­form” umge­set­zt worden. 

Dankbarkeit und Wertschätzung

Diese ein­ma­lige Sym­biose zwis­chen den Trägern der Staats­ge­walt und den Staats­bürg­ern ist ein beson­der­er Garant für den „so selb­stver­ständlichen“ Frieden. Er hält seit 1945. Die Sicher­heit der Repub­lik ist Grund­lage ihrer großar­ti­gen Entwick­lung und damit des bre­it­en Wohl­stands der daraus ent­standen ist.

Wer den Frieden liebt muss ihn verteidigen können!

Ein so hohes Maß an Sicher­heit find­et man sich­er nicht über­all. Das sollte uns beson­ders in Zeit­en des Wohl­standes mehr als warme Worte wert sein. Auch ohne akuten Katas­tro­phen­fall oder Krisen das Bun­desheer muss ordentlich aus­ges­tat­tet und aus­gerüstet sein um seinen Auf­gaben wahrzunehmen. Denn Frieden und Sicher­heit sind Prozesse die jeden Tag Aufmerk­samkeit und ggf. aktive Mitwirkung brauchen.  Dessen soll­ten wir uns auch nach 65 Jahren in größter Sicher­heit bewusst sein.

Bewährtes bewahren und anpassen

Auch in Zukun­ft haben es jene die ihren staats­bürg­er­lichen Pflicht­en nachkom­men, ob Beruf­s­sol­dat­en oder Wehrpflichtiger, ver­di­ent ordentlich unterge­bracht, sowie aus­gerüstet zu sein und respek­tvoll behan­delt zu wer­den. Dabei müssen wir die Soldat(inn)en und das Bun­desheer unter­stützen. Es gab schon die Ver­suche das derzeit­ige Bun­desheer zugun­sten ein­er kleinen Beruf­sarmee abzuschaf­fen. Diese würde wed­er im Katas­tro­phen­fall der Bevölkerung ggf. mit Schaufel in der Hand helfen kön­nen, noch im Bedro­hungs­falle die Stärke zur Sicherung der schützenswerten Infra­struk­tur im Lande, auf­brin­gen kön­nen. Rech­net man mögliche Fol­gen solch­er Män­gel mit ein wird die kle­in­ste Beruf­sarmee mehr kosten als unser Bun­desheer mit Wehrpflichtigen.

Auch weiterhin Schutz und Sicherheit des Bundesheers

Als Staatsbürger/innen sind wir die Nutznießer des Pro­duk­tes “Sicher­heit” und die wollen wir weit­er­hin in ver­lässlichen Hän­den wis­sen.  Dies ist Ver­ant­wor­tungsträgern aller Ebe­nen immer wieder deut­lich aufzuzeigen. Es kann nicht so weit­er gehen das sie immer wieder der Ver­suchung erliegen Bud­getlöch­er durch Kürzun­gen im Vertei­di­gungsres­sort  zu stopfen. Irgend­wann ist dann das Bun­desheer hand­lung­sun­fähig, was dann?  Wir wollen uns ja weit­er­hin täglich auf die Hil­fe und den Schutz unseres Bun­desheeres ver­lassen können.