Hessen-Ausstellung in Wels eröffnet !

Schicksalsberg : Monte San Gabriele

Kul­tur­stadt­rat Jo­hann Reindl-Schweig­ho­fer, der Kom­man­dant des Pan­zer­ba­tail­li­on 14 Hes­sen – Obstlt d.G. Gre­gor Scheu­cher, Mi­li­tär­kom­man­dant von OÖ – GenMjr. Mag. Kurt Raf­fet­se­der, Bür­ger- mei­ster Dr. An­dre­as Ra­bel und Aus­stel­lungs­ku­ra­tor Mjr. Mag. Jörg Lo­idolt vor den Ka­me­ra­den des Tra­di­ti­ons­ver­bands der Hes­sen in Wels.

Am 12. Mai ist im Stadt­mu­se­um Wels mit zahl­rei­chen Eh­ren­gä­sten die Aus­stel­lung „Ent­schei­dung am Ison­zo“ fei­er­lich er­öff­net wor­den. Sie ist den schick­sal­haf­ten Er­eig­nis­sen um das hi­sto­ri­sche In­fan­te­rie Re­gi­ment Nr. 14  “ Groß­her­zog Ernst Lud­wig von Hes­sen und bei Rhein“, dem so­ge­nann­ten OÖ-Haus­re­gi­ment, ge­wid­met.                                 Mit Un­ter­stüt­zung der Gar­ni­sons­stadt Wels in der, der mi­li­tä­ri­sche Nach­fol­ge- ver­band das Pan­zer­ba­tail­li­on 14 in der Hes­sen­ka­ser­ne sta­tio­niert ist, wur­de die­ser be­ein­drucken­de ge­schicht­li­che Rück­blick gestaltet.

Der mu­ti­ge Ge­gen­an­griff des IR 14 am Mon­te San Ga­brie­le, bei der 11. Isons­zo Schlacht, ver­schaff­te der k&k Ar­mee die stra­te­gi­sche Grund­la­ge zum Durch­bruch an die Pia­ve, bei der letz­ten Ison­zo­schlacht.  Da­mit ging das Re­gi­ment und sein Kom­man­dant Ober­leut­nant Franz Kern in die Ge­schich­te ein. Die Aus­stel­lung the­ma­ti­siert nicht nur die he­roi­schen Ta­ten, son­dern gibt auch Ein­blicke in die dra­ma­ti­schen Er­eig­nis­se so­wie Le­bens- bzw. „Überlebens„umstände der Sol­da­ten in die­sen grau­sa­men Stel­lungs­krieg. Die Aus­stel­lung in den Wel­ser Mi­no­ri­ten (Schie­ßer­hof, Mi­no­ri­ten­platz 4) ist noch bis 17. Sep­tem­ber zu besichtigen.

Der Kom­man­dant ei­nes Ma­schi­nen­ge­wehr­zu­ges, Dr. Karl Stau­fer, schil­der­te als Zeit­zeu­ge 1927 der „Lin­zer Ta­ges­post“ die Um­stän­de vorm Angriff :

„Die MG-Sturm­zü­ge wa­ren eine tak­ti­sche Neue­rung und die Feu­er­pro­be fiel pfun­dig aus. In den Mor­gen­stun­den des 11. Sep­tem­ber wur­de mein Zug zum Ge­fechts­stand des Re­gi­ments­kom­man­dan­ten Obst. Vi­torel­li auf Kote 408 vorgezogen. 

Der Stra­ßen­sat­tel Kote 408 stand un­ter sy­ste­ma­ti­schem Sperr­feu­er, er war eine Höl­le, eine Stät­te ent­setz­li­chen Grau­ens. Auf­ge­dun­se­ne Pfer­de­ka­da­ver und fürch­ter­lich ver­stüm­mel­te Lei­chen er­füll­ten die Luft mit be­stia­li­schem Ver­we­sungs­ge­stan­ke. Ver­krümm­te und ver­knäul­te Kör­per ohne Köp­fe und mit zer­fetz­ten Glied­ma­ßen säum­ten den Weg, schwarz und bran­dig und von den Gift­schwa­den der Gas­gra­na­ten schwe­fel­gelb ge­ätzt. Die Ge­walt der Ex­plo­sio­nen hat­te den Lei­bern viel­fach die Klei­der zer­ris­sen, die un­na­tür­li­chen Far­ben der nack­ten Haut stei­ger­ten das Grau­en zum Ekel. In die­ses Ge­met­zel hin­ein bohr­te sich heu­lend Gra­na­te um Gra­na­te. Dicke Staub­wol­ken, Stein­trüm­mer und bit­te­re Gift­dämp­fe wir­bel­ten aus dem ge­mar­ter­ten Er­den­flecken empor…“

An ei­nem 60 Ki­lo­me­ter lan­gen Front­ab­schnitt wa­ren im Au­gust 1917 zwei ita­lie­ni­sche Ar­me­en mit 3600 Ge­schüt­zen und 1600 Mi­nen­wer­fern an­ge­tre­ten.  Im Zuge pau­sen­lo­ser An­grif­fe er­ober­ten die Ita­lie­ner in der 11 Ison­zo­schlacht auch, von den am St. Ga­brie­le aus­har­ren­den k. u. k. Ar­mee­ver­bän­den, die Gip­fel­re­gi­on fast gänz­lich zurück.

Zur Rück­ge­win­nung die­ser äu­ßerst wich­ti­gen stra­te­gi­schen Po­si­ti­on griff am Mor­gen des 11. Sep­tem­ber 1917 das her­bei­ge­ru­fe­ne In­fan­te­rie­re­gi­ment 14 an. Der er­ste Ver­such schei­ter­te im mas­si­ven Ab­wehr­feu­er. Für den näch­sten An­griff leg­te Ober­leut­nant Franz Kern aus Un­ter­wei­ssen­bach, dem Re­gi­ments­kom­man­dant sei­nen ver­we­ge­nen Plan vor. Mit nur zwei In­fan­te­rie- und ei­ner MG Kom­pa­nie, ohne Ar­til­le­rie­un­ter­stüt­zung, woll­te er den Berg zu­rück­er­obern. Obst. Ri­chard von Vi­torel­li ge­neh­mig­te die­sen An­griff. Im Mor­gen­grau­en stürm­ten die Lin­zer Hes­sen un­ter Füh­rung Kerns den Berg hin­auf. Die In­te­gra­ti­ons­fi­gu­ren der Mann­schaft, kriegs­er­fah­re­ne Sol­da­ten wie der Ge­frei­te Franz Fel­ber­mayr, brach­ten mit ih­rem un­er­schüt­ter­li­chen Mut und gro­ßer Er­fah­rung den An­griff vor­wärts. So dran­gen die Sol­da­ten Gra­ben für Gra­ben von Ka­ver­ne zu Ka­ver­ne vor­wärts und setz­ten sich dau­er­haft in den er­ober­ten Stel­lun­gen fest. Drei Tage hiel­ten sie fast ohne Ver­sor­gung die Stel­lun­gen im Karst­ge­biet bei Tem­pe­ra­tu­ren von über die 30 Grad. Sie wi­der­stan­den al­len ita­lie­ni­schen Ge­gen­an­grif­fen bis sie ab­ge­löst wurden.

Der Eck­pfei­ler der Ison­zo­front war wie­der in den Hän­den der k. u. k. Ar­mee. Mon­te San Ga­brie­le war der ent­schei­den­de Stoß der den Ge­gen­an­griff in Schwung brach­te und Auf­takt der 12. Ison­zo­schlacht die mit deut­scher Un­ter­stüt­zung den Durch­bruch durch die ita­lie­ni­schen Li­ni­en bis an die Pia­ve brach­te. Da­mit hat­te das ent­setz­li­che Ge­met­zel am Isons­zo sein Ende gefunden.